Es wird mal wieder Zeit über den Fortschritt des Bau's zu berichten.
Der Architekt hatte Anfang Dezember seine Arbeiten incl. einer kurzen Baubeschreibung erstellt. Für die 8 Baufirmen (Vila Nova del Milfontes, Almograve, 2 Odemira, Reliquias, Sao Teotonio, Rogil, Aljezur) wurden Kopien vom Architekten erstellt (= 60 Euro) und persönlich überbracht. (Der Kontakt war ja bereits im Laufe des Jahres hergestellt auch wurden einige Objekte von den Unternehmen besichtigt.)
Parallel zur Ausschreibung wurde eine Bauvoranfrage bei der Camara eingereicht. Pünktlich am 4.1.2011 (super !) nach 4 Wochen erhielten wir die Bestätigung, dass die Planung ok sei. (Im wesentlichen war die Stellung des Hauses – das Grundstück ist nicht rechteckig – und der Garage – Grenzbebauung – abzuklären.
Leider lief die Ausschreibung nicht so erfolgreich. Angebote zu erstellen scheint für die Portugiesen ein „Graus“ zu sein. Nur mit Mühe, d. h. mit Nachfragen, erhielten wir von 2 Firmen ein „Proposta de Orçamento“. 2 Firmen antworteten noch per Mail, dass sie erst alle Unterlagen (Statik …) benötigen. Auf die Ideen Annahmen zu machen, die unter dem Vorbehalt stehen und ggf. angepasst werden, kamen sie jedoch nicht.
Anmerkung: Die Wirtschaft in Portugal läuft ja wirklich nicht so prickelnd. Dies gilt auch für Baufirmen, zumal in unserer Gegend. Warum es dennoch es schwer ist, mit den Firmen in konkrete Verhandlungen zu kommen, ist schwierig zu verstehen. Zumal es sich bei dem Haus um kein „Designerhaus“ handelt, sondern um das eher klassische Format (17 m lang und 8,50 m breit). Ich bin mir sicher, dass ein Bauunternehmen in Deutschland das Angebot innerhalb von 4 Wochen erstellt hätte. So meine Erfahrung. Die Firmen, die dies nicht konnten sind m.E. heute nicht mehr am Markt. Na ja – so ist es nun mal.
An die Form der Angebote muss man sich als nächstes auch noch gewöhnen. Das nicht nur steht: „Ich baue Ihnen ein Haus das ………. Euro kostet.“ Muss man anscheinend schon anerkennen. Das eine Angebot enthielt auf einer Seite die Preise für das Haus, die Garage und den Außenbereich (Mauer, Terrassen).
Das zweite Angebot ( drei Seiten) zumindest einige Hinweise auf die Qualitäten, (Preis / Anzahl) der Fliesen, Türen, Mauern, Anzahl der Elektroschalter, Wasserzapfstellen …. Eine differenzierte, konkrete Beschreibung sieht allerdings etwas anders aus. Trotzdem entschieden wir uns für die Zusammenarbeit / Beauftragung.
Kalkulation (ohne Mehrwertsteuer, IVA von 23%)
107.000 Euro für das Haus, die Garage und die Außenmauer bzw. Terrassen.
8.000 Euro für Fliesen innen und außen (Fläche ca. 400 qm)
15.000 Euro für die Fenster, Balkontüren (3-Fachverglasung) und Außentüren incl. der Aluläden
14.000 Euro für die Fußbodenheizung, 4 Solarkollektoren, Kombispeicher(800 l) und Pelletofen
12.000 Euro für die Sanitärartikel (z.B. 3 Wand-WC’s, Whirlpollbadewanne) und die Küchenzeile
7.000 Euro für die Küche
Mit Mehrwertsteuer ist man bei 200.000 Euro. Sicher kommt das ein oder andere noch dazu. Also „kostengünstig“ baut man in Portugal nicht. (Dies bei Arbeitslöhnen die noch deutlich unter 10 Euro liegen. Dafür sind in der Regel die Materialien deutlich teuer.)
Die weitere Planung des Außenbereichs (Garten, Schattenflächen, Sichtschutz …) erfolgt nach Fertigstellung des Baus.
Da es sich bei uns um die Bebauung einer Lote (erschlossenes Grundstück) handelt, müssen für den Erhalt einer Baugenehmigung von der Camara sämtliche Unterlagen (Projekte) erstellt wie auch die bauausführende Firma benannt sein.
Leider hatte sich der weitere Fortgang durch die langsame Erstellung der technischen Unterlagen hinausgezögert. Warum dafür der Ingenieur 8 Wochen benötigte, bleibt unklar. Beschleunigen lässt sich der Prozess wohl nur wenig, auch wenn man per Mail bzw. telefonisch regelmäßig nachfragt. Auch klare Aussagen (Zusagen), wann die Fertigstellung vorliegt vermeidet anscheinend der Portugiese. (Naja. Viele Deutsche, die seit Jahren in Portugal leben, halten dieses Verhalten für ganz normal / üblich. Trotzdem kann man sich daran nur schwer gewöhnen.)
Noch einige Überraschungen zu den Planungen / Anforderungen.
- Die (ein) Bäder müssen mit einem Bidet ausgestattet sein.
- Die (ein) Bäder benötigen eine Badewanne, Duschen reichen nicht.
- Die Verkabelung für TV und Telefon müssen in Glasfaser (angeblich seit 2011) ausgeführt werden. Der Mehrpreis beträgt 1000 Euro. (Welchen Sinn dies macht, bleibt offen. Wahrscheinlich würde – wie häufig – auf die EU verwiesen. )
- Es muss eine Mauer zu den Nachbarn errichtet werden (40m), obwohl diese bereits auf ihrem Grundstück eine Mauer errichtet haben.
- Trotz der Tragfähigkeit – auch im Erdbebenfall – der 29cm breiten Tabicesa-Steine müssen 12 Pilone (Betonstützen) errichtet werden, weil das Statikprogramm des Planers nichts anderes zuließ??? Wärmebrücken (ggf. dann auch Verfärbungen (Bakterien, Algen) am Außenputz sind dadurch vorprogrammiert. Zumindest kann man noch hoffen, dass ein Erdbeben in Portugal der Stärke 9,0 die Maurern vielleicht noch besser standhalten. Ein Tsunami erreicht das Haus jedenfalls nicht, da die Steilküste in Cabo Sardao zwischen 40m und 60 m hoch ist.
Wir hoffen nun, dass Mitte / Ende April mit dem Bau begonnen werden kann.
Die Fertigstellung wird dann wohl frühestens Ende des Jahres erfolgt sein.